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AKTION SCHMETTERLINGSKINDER.

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Impressum

minischmettirot The project “Aktion Schmetterlingskinder”

 

Fakten in Deutschland

Wir nennen sie “Sternenkinder” oder Schmetterlingskinder”. Dieses Wort wird für all jene Kinder benutzt, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt starben.
Die Situation in Deutschland und unseren Entbindungskliniken ist für betroffene Eltern gerade sehr schwierig.

Oft leiden sie unter den Fehlern und Versäumnissen, die während des Aufenthalts und der Betreuung in den Kliniken entstehen. Diese Fehler und Versäumnisse resultieren aus fehlender Weiterbildung, fehlender Supervision, fehlender Grundausbildung und den allgemeinen Problemen, mit denen die Geburtshilfe in Deutschland zurzeit zu kämpfen hat.
Fehlendes Personal, fehlende Zeit, fehlendes Mitgefühl und die allgemeine Herabwertung eines still oder zu früh geborenen Kindes als “Mensch” sind weitere Gründe.

Diese Fehler sind zum Beispiel die fehlende Transparenz und Aufklärung der Eltern, unsensibles Verhalten, wenig oder gar keine Geburtshilfe, Herabwerten und “Kleinreden” der Situation (“Es ist ja noch gar kein RICHTIGES Kind” oder “Es ist gar keine echte Geburt”) und dem Ausschließen von Verwandten oder sogar dem Vater des Kindes. Vor allem fehlt es jedoch an der Gestaltung eines würdevollen, intensiven und friedlichen Abschiedsprozesses.

Dieser ist jedoch essentiell wichtig für die Eltern, damit sie die Situation bewusst erleben können und all ihre Gefühle währenddessen und im späteren Verlauf nicht “abgekapselt” oder “ausgebremst” werden. Dies wiederrum ist die grundlegende Bedingung für die betroffenen Eltern, in einen gesunden Trauerprozess zu finden und irgendwann einmal mit dem Verlust “Frieden” schließen zu können - zu heilen... in gewisser Weise und irgendwann.

Leider versäumt das Fachpersonal oft essentiell wichtige Dinge wie zum Beispiel das Sammeln von Andenken und Erinnerungen, das Ermutigen der Eltern, ihr Kind anzusehen, zu berühren, sich bewusst zu verabschieden - manchmal werden diese Dinge nicht nur versäumt, sondern bewusst verhindert. Vielen Eltern wird ein Gefühl von Minderwertigkeit vermittelt, viele sind dazu gezwungen, den Abschied “schnellstmöglich” und unter großem Zeitdruck “hinter sich zu bringen” und die Kinder werden oft unglaublich würdelos behandelt.

In der Vergangenheit als auch noch heute führt und führte dieser würdelose Umgang zum Beispiel dazu, dass viele der kleinen Babies nackt beerdigt werden mussten. Oder nicht einmal beerdigt wurden. Sogar heute noch. In Deutschland ist ein Baby nur dann eine vor dem Gesetz anerkannte Person mit allen Rechten, wenn es über 500g still oder lebend geboren wird. Stillgeborene unter 500g sind vor dem deutschen Gesetz keine wirklichen Personen. Somit ist ihre Geburt auch keine “Geburt”, sondern vielmehr eine Art “medizinischer Vorgang”.

Dies führt zu der Tatsache, dass sogar heute (2017) diese Kinder nicht in allen Bundesländern beerdigt werden müssen. Die Kliniken dürfen sie als organischen Abfall “entsorgen”. Das größere Probleme ist jedoch, dass die meisten Babies, die vor der 25.SSW (das entspricht dem 7. Monat - wir möchten daran erinnern, dass Frühchen bereits ab SSW 22 überleben!) geboren werden, nicht im Kreissaal auf die Welt kommen dürfen. Die Frauen müssen sie in normalen Krankenhausbetten auf normalen Stationen gebären. Meist ohne jede Geburtshilfe.

Dies führt zB in zahlreichen Bundesländern auch heute (2017) noch dazu, dass diese Babies nicht einmal beerdigt werden müssen, sie dürfen als organischer Abfall “entsorgt” werden.  Ferner führt es dazu, dass Babies, die vor der 25.SSW (dies entspricht dem 7. Monat - Frühchen überleben meist schon ab SSW 22!) still geboren werden, meist NICHT in Kreisssälen auf die Welt kommen DÜRFEN. Die Frauen gebären in aller Regel auf normalen Krankenstationen OHNE jede Geburtshilfe, weil Hebammen in aller Regel nicht oder nur sehr spät vor Ort sind. In einem normalen Krankenbett. Ohne Schmerztherapie oder jedwede andere hilfreiche Massnahme, die “normalen” Gebärenden selbstverständlich zukommt.
(Und - entgegen der landläufigen, verharmlosenden Meinung: Wehen tun in jedem Status der Schwangerschaft gleich weh - noch weher jedoch, wenn man weis, dass der schmerzhafte Prozess am Ende nur ein “Loslassen” und einen ewigen Abschieds, statt den Start in ein wundervolles gemeinsames Leben bedeutet).

Die Eltern verlassen aufgrund der oftmals untragbaren Umstände die Kliniken nicht selten schwer traumatisiert. Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Psychosen und Angstzustände sind oft unmittelbare, schwerwiegende Folgen dieser unfachgerechten Betreuung. Aber auch Unfruchtbarkeit, psychosomatische Erkrankungen, familiäre und sozialpsychologische Konflikte, Probleme auf der Arbeit und vieles mehr sind typische Konsequenzen aus der vorangegangenen Problematik.

Ein Kind zu verlieren - ganz egal, wie “alt” es war - ist einer der schlimmsten Schicksalsschläge, die ein Mensch ertragen muss.
Der Schmerz sollte niemals durch unqualifizierte Betreuung oder Behandlung von Eltern und Kind gemehrt werden müssen.

Hierbei ist - dies wollen wir klar betonen! - den wenigsten Fachkräften ein Vorwurf zu machen. Sie haben einfach keine Wahl, denn es gibt - dies möchten wir noch einmal wiederholen - nahezu keine Weiterbildung, keine Leitlinien und keine Supervision. Die fehlenden gesetzlichen Grundlagen machen eine intensive Betreuung kostentechnisch unmöglich, was gerade in einer Zeit fehlender Geburtshelfer und Rationalisierung auf höchster Ebene im Bereich Geburtshilfe eine schwere Tragweite erfährt.

Es fehlt also an Würde - für Mutter, Vater und Kind.

Doch die Würde des Menschen ist und bleibt für uns unantastbar.

 

Unsere Ziele und Aufgaben

 

Die Aktion Schmetterlingskinder hat es sich zum Ziel gesetzt, die Umstände in den Kliniken, bei der Geburt und der Verabschiedung eines sogenannten “Sternen/Schmetterlingskindes” kontinuierlich zu verbessern.

Zum einen stellen wir deutschen Entbindungskliniken, Bestattungsinstituten, Schulungsinstituten, Pflegeschulen und Kinderstationen seit 2009 kostenfreie “Schmetterlingskinder-Abschiedsboxen” zur Verfügung.
In ihnen enthalten sind Abschiedssets für die kleinen Babies.
Diese Abschiedssets bestehen massgeblich aus Kleidung für die kleinen Babies, denn diese sind oft noch so zart und winzig, dass ihnen weder normale Babykleidung, noch Frühchenkleidung und schon gar nicht  Puppenwäsche passt.
Somit sind viele Eltern mit der furchtbaren Tatsache konfrontiert, ihr Kind nackt verabschieden und beerdigen zu müssen.

Die Abschiedssets enthalten Kleidung, die fachgerecht den ganzen Körper des Kindes bedecken kann. Die Kleidung wird von hunderten ehrenamtlichen HelferInnen in Handarbeit liebevoll und individuell angefertigt.
Nur diese vielen helfenden Hände ermöglichen unser Projekt und wir sprechen ihnen unseren tiefen Dank aus.
Unsere “Sternenkinderkleidung” wurde und wird kontinuierlich mit Fachleuten abgestimmt, damit sie in Einsatz, Beschaffenheit und Variable am besten das abdeckt, was in den Kliniken gebraucht wird. Nicht jedes Kleidchen, nicht jedes Muster ist für den Einsatz am Sternenkind geeignet.

Die Abschiedssets erhalten neben der Kleidung ausserdem eine Art “Toolkit” für die Gestaltung eines liebevollen Abschieds - sie enthalten beispielsweise Kerzen, die liebevoll von HelferInnen verziert wurden, Abschiedskarten, kleine Sargbeigaben, Decken und zarte, weiche Moseskörbchen.

Ausserdem stellen wir den betroffenen Eltern ein kleines Buch zur Verfügung, das wertvolle Ratschläge und Hilfen gibt - wir begleiten sie darin von der Diagnosestellung bis zur Beerdigung und dem Trauerjahr. Unser Trauertelefon steht für die Eltern stets bereit, falls sie Hilfe brauchen ... oder einfach nur jemanden zum Reden. Ferner vermitteln wir deutschlandweite Hilfsstellen wie Selbsthilfegruppen, geschulte Bestatter, Sternschnuppengrabfelder, Trauerplattformen. Mit unserem Trauerforum auf unserer Vereins-Internetplattform frauenworte.de bieten wir den Eltern ferner einen geschützten Raum zum Austausch und die Begleitung und Betreuung durch unsere “alten Hasen” - selbstbetroffene Mütter, zum Teil in Trauerhilfe geschult und ausgebildet, die für die Betroffenen Tag und Nacht grundlegend ein offenes Ohr und ein mitfühlendes Herz haben.

Die Schulung der Geburtshelfer ist von allergrösster Wichtigkeit für uns.
Wir möchten immer wieder betonen: Die fehlende Kleidung (und alle anderen Materialien) in den Kliniken sehen wir lediglich als Symptom der grundlegenden Krankheit.
Darum enthalten alle Boxen zahlreiche Materialien zur Selbstschulung des Fachpersonals. Wir geben ihnen Leitfäden, Laufzettel, Vordrucke und Erfahrungsberichte an die Hand, die helfen können, im Team einen festen Vorgang zum fachgerechten Begleiten von “Sternenkinder-”Geburten zu etablieren.

Ferner versuchen wir verstärkt mittels regionaler und überregionaler Veranstaltungen das Fachpersonal zu sensibilisieren und ihnen Mittel und Wege zur einheitlichen fachgerechten Betreuung in den Kliniken an die Hand zu geben.

 

 

Die Basis unserer Arbeit

Unsere Arbeitbestehen aus drei grundlegenden Säulen:

- Materialien zur Gestaltung des würdevollen Abschieds in Form von “Abschiedssets”
- Hilfs- und Informationsmaterialien für die Eltern inklusive Vermittlung an unser Trauertelefon, regionale Hilfestellen und unser Trauerforum
- Materialien zur Selbstschulung des Fachpersonals, als auch zum Erstellen einheitlicher Leitlinien und Vorgänge

Wir empfinden alle drei “Säulen” als gleich wichtig.

Die Abschiedssets enthalten das “Toolkit” für das Fachpersonal, das ihnen wörtlich etwas “an die Hand gibt”, womit sie einen würdevollen Abschied gestalten können. Die Kleidung, als auch die liebevoll angefertigten Accessoires geben den Eltern das Gefühl, dass “da draußen” ein mitfühlendes Herz ganz speziell etwas für sie und ihr Kind getan hat. Dies ist unendlich wertvoll in der schweren, isolierenden Situation des Verlustes.
Ausserdem ermöglicht die Kleidung, als auch der liebevoll gestaltete Abschied die Würde, die dem Kind  - egal in welchem Status der Schwangerschaft es zur Welt kam - zusteht. Denn es ist ein Mensch. Ein kleiner Mensch, der einfach vom Schicksal zu früh aus den Armen und Herzen seiner Eltern gerissen wurde.
Für Elternliebe zählen keine Tabellen aus Gewicht, Reife oder Grösse.

Die Informationsmaterialien für die Eltern sind eine wertvolle Hilfe, die den Eltern von Beginn der Situation in der Klinik bis weit in die Trauerarbeit hinein zur Seite steht. Für die Eltern ist es von grösster Bedeutung, sich vorher über ihre Rechte und Möglichkeiten informieren zu können. Es ist wichtig, nicht erst mühevoll nach Selbsthilfegruppen, Bestattern oder Grabfeldern suchen zu müssen, Literaturempfehlungen, Erfahrungsberichte und Kontaktadressen sofort zur Hand zu haben. Zahlreiche Materialien helfen ihnen bei dem schweren Weg durch die Trauer. Die Vermittlung an unser Trauertelefon als auch Trauerforum ist ebenfalls eine wichtige Möglichkeit für die Eltern, sich sofort und ohne “das Haus verlassen zu müssen” (denn das ist oft in den ersten Tagen nach dem Verlust schwer) Hilfe zu suchen - und wenn es nur jemand ist, der den Schmerz und die Verzweiflung versteht und ihnen die Möglichkeit gibt, einfach “sein zu dürfen”.

Die Schulung des Fachpersonals ist zurzeit wichtiger denn je. Da die geburtshilfliche Situation in unserem Land durch politisch fragwürdige Entscheidungen und Vorgehensweisen zurzeit auf ein nie gekanntes Tief zusteuert, bleibt den wenig verbliebenen Geburtsstationen und Geburtshelfern wenig Spielraum für die Betreuung einer Geburt, sowieso einer, die laut der Regeln der oftmals zu wirtschaftlich geprägten Entscheidungsmoral in den Kliniken nicht “effizient” ist. Hier gilt es, klare Leitlinien zu schaffen, die auch in Abstimmung auf vermiedene sozialwirtschaftliche Konsequenzen untermauert werden müssen.

Natürlich gehört auch die Öffentlichkeitsarbeit als “vierte” Säule zu unserem Projekt. Das Thema “Tod” ist in unserer Gesellschaft generell tabuisiert. Das Thema “Tod eines Kindes” erlebt ein noch viel größeres Tabu. Versterben Kinder während der Schwangerschaft oder sehr kurz nach ihrer Geburt wird es oft als “Fehlversuch” herabgewertet. Die wenigsten Menschen in Deutschland wissen über die unhaltbaren Umstände Bescheid.
Es ist wichtig, dieses Thema stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, um den Betroffenen die soziale Isolation, als auch die unzureichende Betreuung mehr und mehr zu ersparen. Diese unzureichende Betreuung beginnt oft schon beim Gynäkologen vor Ort und reicht bis zum Besuch eines Therapeuten nach dem Verlust.

 

Wie unser Projekt funktioniert

Schulungen und Weiterbildungen versuchen wir zurzeit auszubauen, was jedoch auch sehr abhängig von unserer nach wie vor schwierigen Spendensituation bleibt.

Unsere Arbeit basiert nach wie vor massgeblich auf ehrenamtlicher Initiative, die bei dem Ausmass an Arbeit jedoch kaum noch zu erhalten ist.

Die Basis unseres Projektes bleiben die hunderte von ehrenamtlichen HelferInnen, die unermüdlich die Materialien für die Abschiedssets herstellen und / oder uns mit kleinen, verwaltungstechnischen Arbeiten unterstützen.

Die HelferInnen schicken alle Materialien zu unserem Projekt/Vereinssitz in Bürstadt, wo sie gesammelt, gelagert, verpackt, kategorisiert und schliesslich je nach Bedarf und Wünschen der betrefflichen Kliniken und Institute zusammengestellt und zusammen mit allen anderen Schulungs- und Informationsmaterialien verschickt werden.

Unsere HelferInnen sind fest bei uns registriert und erhalten vor Beginn der Arbeit eine eingehende, schriftliche Schulung von uns, da die Herstellung der Kleider und Accessoires gewissen Vorgaben unterliegt, die vor allem mit der physischen Beschaffenheit der kleinen, oftmals auch von Krankheit gekennzeichneten Babies als auch der Sensibilität des Themas an sich zusammenhängen.

Neben Kliniken und Instituten bestellen auch immer wieder einmal betroffene Eltern, die sich auf die Geburt des Kindes vorbereiten, direkt bei uns.

Selbstverständlich sind alle Abschiedssets vollkommen kostenfrei. Alle Kosten werden von uns getragen, was nur durch Spenden möglich ist. Die Materialien, die zur Herstellung der Kleider und Accessoires nötig sind, werden zu 90% von den HelferInnen selbst gestellt. Nur so ist unser Projekt machbar und konnte in den letzten Jahren wachsen.

Wir versorgen zurzeit fast 500 Stationen und Institute mit steigender Tendenz. Aufgrund der schwierigen geburtshilflichen Situation in Deutschland erleben wir zurzeit jedoch einen deutlichen Rückschritt in der Bereitwilligkeit des Fachpersonales - oftmals aus erheblichem Zeit- und Personalmangel - die Materialien einzusetzen. Hier zeigt sich erneut deutlich, wie wichtig die Öffentlichkeitsarbeit auf der einen, die Schulung und Strukturierung des Fachpersonals auf der anderen Seite ist.

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